Kletterschuh-Gummi: der große Mad-Rock-Ratgeber
Wenn du dir einen Kletterschuh aussuchst, achtest du auf Form, Downturn, Steifigkeit. Was am Ende wirklich zählt, ist aber eine einzige Sache — der Gummi. Der Sohlengummi klebt am Fels oder eben nicht. Er hält die Session durch oder er ist nach acht Wochen platt. Mad Rock hat daraus ein System gemacht: vier Gummimischungen, jede mit einer eigenen Aufgabe, jede an ihrem Platz am Schuh.
In diesem Ratgeber gehen wir die vier Mad-Rock-Gummis durch — Science Friction 3.0, R2, Xtreme Friction, Perma. Was jede kann, wo sie sitzt, warum dort. Dann: wie Mad Rock daraus einen Schuh baut, und was das je nach Modell für dich ändert. Am Ende Mickaël Mawems Einschätzung. Die Range findest du in unserer Kletterschuh-Kollektion.

Warum der Sohlengummi über alles entscheidet
Der Gummi ist die einzige Schnittstelle zwischen deinem Fuß und dem Tritt. Kein Downturn, keine Kantenkonstruktion, keine noch so ausgetüftelte Zwischensohle gleicht einen Gummi aus, der nicht klebt. Aus einem wackligen Antritt macht er einen verlässlichen. Aus einem Zug, an den du dich nicht rantraust, einen, den du sendest.
Nur soll dieser Gummi zwei Dinge auf einmal können, die sich eigentlich widersprechen. Auf der einen Seite Haftung: Ein weicher Gummi schmiegt sich an die Struktur des Tritts und klebt — dafür ist er schnell runter. Auf der anderen Seite Kantenstand und Haltbarkeit: Ein härterer Gummi behält seine Kante und hält länger, klebt dafür weniger auf poliertem Fels. Ohne Kompromiss geht es nicht.
Also modulieren ernsthafte Marken. Jede Stelle bekommt den Gummi, der zu ihrer Aufgabe passt — haftstark unter der Sohle, elastisch am Rand, weich am Toe Patch. Genau das zieht Mad Rock durch. Vier Gummis, im eigenen Haus entwickelt, in Kalifornien gefertigt. Kein einziger Fremdgummi am Schuh — auch nicht dort, wo es nichts mit dem Fels zu tun hat.
Was das für dich heißt? Rechne mal durch, was so ein Schuh bei drei bis fünf Sessions pro Woche mitmacht. In der Boulderwelt München oder in einer Berliner Halle ist die Zehenspitze bei vielen Konkurrenzmodellen nach acht bis zwölf Wochen durch. Auf Sächsischem Sandstein oder Frankenjura-Kalk geht es noch schneller — der Fels schleift härter. Bei Mad Rock sehen wir das immer wieder anders: Der Gummi hält deutlich länger. Sechs Monate, oft ein Jahr, bevor du überhaupt an eine Neubesohlung denkst. Wenn du viel unterwegs bist, sind das Monate zusätzliche Laufzeit pro Paar — und ein Schuhbudget, das spürbar sinkt.
Die vier Gummimischungen von Mad Rock
Mad Rock entwickelt vier eigene Gummis, jeder mit klarer Aufgabe. Wer sie versteht, versteht auch, wie die Marke ihre Schuhe zusammenbaut.
Science Friction 3.0 — der Hauptgummi
Die Science Friction 3.0 ist die Signatur. Der Referenzgummi von Mad Rock, entwickelt und gefertigt in Kalifornien. Du findest ihn auf der Laufsohle aller Schuhe der Marke und auf den kompressionsgeformten Bauteilen — 3D-Ferse, Concave Sole, geformter Toe Patch. Also: der Gummi, der tatsächlich am Fels oder am Kunststoff klebt.
Mad Rock beschreibt die dritte Generation in drei Wörtern: « griffiger, härter, cleverer » als ihre Vorgänger. Konkret: höhere Reißfestigkeit und besseres Formgedächtnis — der Gummi kehrt in seine Ausgangsform zurück, statt sich dauerhaft zu verformen. In der Praxis heißt das mehr Grip UND mehr Standzeit. Genau das, was sonst als Widerspruch verkauft wird.
Science Friction R2 — der Randgummi
Die Science Friction R2 ist der Gummi des Rands — das 1,8 mm starke Gummiband, das den Schuh rundum umschließt. Der Rand berührt den Tritt nicht. Sein Job: Passform, Halt, Vorspannung.
Der R2 ist auf Elastizität ausgelegt, nicht auf Grip. Er gibt an den richtigen Stellen nach, ohne Halt zu verlieren — so sitzt der Schuh eng am Fuß, ohne die typischen Druckstellen zu steifer Modelle. Er ist das Herzstück des Arch Flex Systems. Denselben R2 verbaut Mad Rock am Fersenrand. Denn eine Ferse, die in hartem Sohlengummi steckt, arbeitet beim Heel Hook gegen den Fels statt mit ihm. Der R2 lässt sie greifen wie einen Handschuh.
Xtreme Friction — der weichste Gummi
Die Xtreme Friction ist der weichste Gummi im Katalog. Sie sitzt am Toe Patch (Toe-Hook-Zone auf dem Zehenrücken) und an den Knuckle Bumps (Polster über den Zehenknöcheln beim Remora Pro).
Die Weichheit ist gewollt. Ein Toe Hook lebt vom Kontakt, nicht von der Härte — je weicher der Gummi, desto besser klebt er am Volume, am Spatel, an der Kante von oben. Die Knuckle Bumps aus derselben Xtreme Friction fangen dann einen typischen Schmerzpunkt ab: den Druck auf die Zehenknöchel, wenn der Schuh eng sitzt. Mad Rock spielt mit der Dichte je nach Zone — Grip vorn, Dämpfung darüber.
Perma — der Ausdauergummi
Die Perma verfolgt genau ein Ziel: so lange wie möglich halten. Und dabei eine Haftung bewahren, die nahe an der eines klassischen Klettergummis bleibt. Klar der Kompromiss zugunsten der Langlebigkeit. Am Drone 2.0, D2.ONE und Remora Pro triffst du sie nicht — sie steckt in den langlebigkeitsorientierten Modellen der Range, außerhalb des Performance-Trios, das wir hier vergleichen.
Mad Rock produziert sie außerdem in mehreren Farben — die non-marking-Varianten hinterlassen keine schwarzen Streifen auf Kunststoffgriffen. In der Halle ein Detail, das die Hallenbetreiber sofort schätzen.

Ein Gummi pro Zone — wie Mad Rock einen Schuh aufbaut
Der ganze Sinn dieser vier Gummis zeigt sich, wenn du einen Schuh Zone für Zone durchgehst. Jede Stelle bekommt den Gummi, der zu ihrer Aufgabe passt — nichts sitzt zufällig.
Unter dem Fuß, auf der Laufsohle, liegt die Science Friction 3.0 — Haftung und Kantenstand in einem. Am Rand rund um den Schuh sitzt die Science Friction R2. Elastizität statt Grip, denn dieser Rand berührt den Tritt nicht, sondern hält deinen Fuß in Position. Am Fersenrand läuft ebenfalls die R2. Eine Ferse, die in hartem Sohlengummi steckt, würde beim Heel Hook gegen den Fels arbeiten — nicht mit ihm. Der R2 gibt an den richtigen Stellen nach, während der 3D Hooking Heel Rim darüber die Präzision liefert.
Am Toe Patch — der Zone für Toe Hooks auf dem Zehenrücken — variiert Mad Rock je nach Modell. Der Remora Pro HV bekommt hier Xtreme Friction — den weichsten Gummi. D2.ONE HV und Drone 2.0 HV nutzen an dieser Stelle die Science Friction 3.0. Weich und maximal klebrig beim Trainingsschuh mit vielen Toe Hooks in der Halle. Härter und langlebiger bei den Modellen, die auch am Fels arbeiten. Und der Remora Pro hat als einziger die Knuckle Bumps aus Xtreme Friction.
Möglich macht das die kompressionsgeformte Konstruktion — die Compression Molded Toe Box. Bei klassischen Schuhen werden die einzelnen Gummiteile am Vorfuß von Hand aufgeklebt. Die häufigste Todesursache dieser Schuhe: Delamination — der Gummi löst sich, meistens zuerst am Toe Patch. Mad Rock formt den kompletten Vorfuß unter Druck in einem Stück. Kein Klebespalt, keine Ablöseflächen. Die Kraft geht direkt vom Fuß in den Sohlengummi, die Vorspannung bleibt Session für Session dieselbe, die Standzeit klettert ordentlich nach oben.
Ein cleveres Detail: Der 3D-geformte Toe Patch dient gleichzeitig als Verschleißanzeige. Wenn unter dem grauen Deckgummi der schwarze Untergrund durchscheint, weißt du — die Neubesohlung rückt näher. Kein Rätselraten mitten im Redpoint-Versuch.
Was ändert sich je nach Modell
Die drei HV-Modelle in der Range teilen sich dieselbe Gummibasis — Science Friction 3.0 auf der Sohle, R2 am Rand. Was sie voneinander unterscheidet, ist die Zwischensohle und ein paar gezielte Ergänzungen darüber.
Der Drone 2.0 HV läuft auf einer durchgehenden Polycarbonat-Zwischensohle von 1,8 mm — Full-Length, vom Fersen-Cup bis zur Zehenspitze. Die steifste Basis in der Familie. Der Vorfuß wird fast selbst zur Leiste, deine Kraft geht ohne Verlust in den Tritt. Kraftschuh für Überhang, Dach und harte Boulder im Steilen. Alles im Test des Drone 2.0 HV.
Der D2.ONE HV nutzt eine Hybrid-Zwischensohle — 1,8 mm komprimierter Polyester, mit Polycarbonat in einer einzigen Platte laminiert. Zwei Materialien, ein Verbund. Polyester für die Rückmeldung, Polycarbonat für die Kantensteifigkeit. Mad Rocks Formel: « weich genug zum Fühlen, steif genug zum Kämpfen ». Der Allrounder — drinnen wie draußen zu Hause. Mickaëls Wettkampfschuh. Alles im Test des D2.ONE HV.
Der Remora Pro HV setzt auf eine Scallop-Zwischensohle — 1,8 mm reiner komprimierter Polyester, ohne Polycarbonat-Platte. Die weichste der drei. Dazu kommen Bauteile, die kein anderer Mad Rock hat: ein Toe Patch aus Xtreme Friction, die Knuckle Bumps, ein Comfort Disk aus EVA unter dem Toe-Hook-Gummi und der Heel Lock aus EVA im Fersen-Cup. Trainingsschuh der Familie. Alles im Test des Remora Pro HV.
Unterm Strich: dreimal SF3 unter der Sohle, dreimal R2 am Rand, drei komplett unterschiedliche Bauten obendrüber. Der Gummi ist die gemeinsame Grundlage. Der Rest entscheidet, wie du kletterst.
Der Mad-Rock-Gummi in der Praxis — Halle, Fels, Sandstein
Auf dem Datenblatt sieht alles nach Balance aus. In der Halle und am Fels sieht die Sache aber noch mal anders aus. Denn der Untergrund redet mit — und der Mad-Rock-Gummi reagiert nicht überall gleich.
Auf Kunststoff in der Halle spielt die Science Friction 3.0 ihre Standzeit voll aus. In der Boulderwelt München oder in einer Berliner Halle kletterst du auf polymerbeschichteten Griffen, die weichen Gummi in Wochen auffressen. Der SF3 hält da anständig durch — bei drei bis fünf Sessions pro Woche kommst du auf sechs bis zwölf Monate, bis die Zehenspitze durchbricht. Bei einem klassischen Konkurrenzmodell wären das oft zwei bis drei Monate.
Auf Frankenjura-Kalk zeigt der Gummi seine andere Seite. Auf glattem Kalk lebt Klettern von Reibung — und die SF3 klebt auf den polierten Passagen der klassischen Frankenjura-Routen. Genug Vertrauen für den Rotpunkt-Versuch, genug Präzision für die Leiste unter der Crux. Draußen bleibt die Standzeit kürzer als drinnen. Aber ein Paar bringt dich locker durch eine Sommersaison mit regelmäßigen Trips.
Auf Sächsischem Sandstein und Elbsandstein läuft die Rechnung anders. Der Sandstein greift den Gummi weniger scharf an als Frankenjura-Kalk, klebt dafür auch nicht so kompromisslos. Der SF3 arbeitet mit der Körnung des Fels — jede Faser des Sohlengummis zählt. Für die traditionsstrenge Elbsandstein-Ethik brauchst du sowieso einen Schuh, der sich gutmütig an den Fels legt. Ein D2.ONE HV geht da mit. Ein Remora Pro HV liest den Fels mit den Zehen.
In den Bayerischen Alpen auf Kalk-Sport-Linien oder auf Granit spielen Drone 2.0 HV und D2.ONE HV ihre Stärken aus — kleine Kristalle, körniger Untergrund, harte Kanten belohnen die Kombination aus SF3-Grip und kompressionsgeformter Präzision. Auf einem Font-Trip auf Bleau-Sandstein oder in Kalymnos auf griechischem Kalk hält der Mad-Rock-Gummi ebenfalls locker mit. In Bleau ist die Standzeit der entscheidende Punkt — der SF3 zieht länger durch als weichere Konkurrenzmischungen. In Kalymnos zahlt sich die Balance aus Grip und Präzision auf den technischen Sport-Routen aus.
Kurz: Je aggressiver der Fels, desto kürzer die Standzeit. Der Vergleich zur Konkurrenz bleibt aber derselbe. Wo ein weicher Konkurrenzgummi nach zwei Monaten platt ist, hält der SF3 doppelt bis dreimal so lange — auf Kunststoff, auf Kalk, auf Sandstein, auf Granit.
Was Mickaël Mawem zum Gummi sagt

Mickaël Mawem — Mitgründer von shopclimbing und Boulder-Weltmeister — klettert mit allen drei HV-Modellen. Der D2.ONE HV im Wettkampf und auf Projekten. Der Remora Pro HV im täglichen Training. Der Drone 2.0 HV vor allem am Fels. Drei Schuhe, drei Einsätze — und dieselbe Grundlage aus Science Friction 3.0 unter dem Fuß. Sein Feedback aus erster Hand:
« Was mich am Gummi von Mad Rock überzeugt hat, ist die Lebensdauer. Wo du bei vielen Schuhen den Gummi schon nach einem bis drei Monaten durchhast, wenn du ernsthaft kletterst, hältst du hier locker sechs Monate bis zu einem Jahr durch, bevor du an eine Neubesohlung denkst. Wenn du mehrmals pro Woche kletterst, glaub mir, das ändert alles — beim Komfort und beim Budget. »
« Und das geht nicht auf Kosten des Grips. Den D2.ONE fahr ich im Wettkampf, im Training und an meinen Projekten — er ist mein vielseitiger Schuh, der, der alles macht. Der Remora Pro ist mein Alltagsschuh — leistungsstark, aber vor allem angenehm zu tragen, Session für Session. Und den Drone lieb ich am Fels, auch wenn er in der Halle bestens funktioniert. Drei Schuhe, drei Einsätze, aber dasselbe Vertrauen in den Gummi. Genau das such ich bei Material: dass es Leistung bringt und dass es hält. »
Neubesohlung mit den Original-Gummis
Ein Punkt, der beim Gummi-Thema oft untergeht: die Neubesohlung. Wenn der Sohlengummi nach einer Saison doch mal an der Zehenspitze durchgeht, kannst du deinen Mad Rock nicht einfach mit irgendeinem Gummi neu besohlen lassen. Die meisten Werkstätten greifen zu Standardmischungen — Vibram, Stealth, was gerade da ist. Was du zurückbekommst, ist dann nicht mehr derselbe Schuh.
Bei shopclimbing besohlen wir Mad-Rock-Schuhe mit den Original-Gummis neu — dieselbe Science Friction 3.0, die von Anfang an unter dem Fuß war. Die kompressionsgeformte Toe Box bleibt intakt, die Konstruktion arbeitet weiter wie am ersten Tag. Der Schuh bekommt ein zweites Leben, das dem ersten technisch identisch ist.
Bei einem Mad Rock lohnt sich das Rechnen. Ein Gummi, der ein Jahr hält, plus eine Neubesohlung mit Originalgummi — macht zwei Jahre Einsatz auf hohem Niveau, zum Preis eines guten Schuhs. Bei einem Modell, dessen Gummi ohnehin nach zwei Monaten platt ist, sieht die Rechnung ganz anders aus. Bei Mad Rock gehört die Neubesohlung zum Konzept dazu.
Welchen Mad Rock für welche Praxis?
Der Gummi ist die Grundlage. Der Einsatz entscheidet über den Schuh. Kurz zusammengefasst:
- Überhang, Dach, harte Boulder im Steilen — der Drone 2.0 HV. Steife durchgehende Polycarbonat-Platte, aggressives Profil.
- Ein Schuh für alles — Halle, Fels, Wettkampf, Training — der D2.ONE HV. Hybrid-Zwischensohle, kontrollierter Downturn.
- Drei bis fünf Sessions pro Woche in der Halle, Sensibilität und Komfort für die lange Session — der Remora Pro HV. Scallop-Zwischensohle, Xtreme-Friction-Toe-Patch, Knuckle Bumps.
Alle drei sind HV-Modelle — High Volume, geschnitten für breite Füße, hohen Spann und kräftigere Ferse. Wenn du dich in europäischen Modellen wie La Sportiva Solution oder Scarpa Instinct oft eingeengt fühlst, ist HV genau dein Schnitt. Und wenn du noch schwankst, hilft dir unser Guide zu allen Mad Rock Kletterschuhen beim finalen Vergleich.
Ein Gummi-System, das durchdacht ist
Der Mad-Rock-Gummi ist kein Marketingargument. Er ist ein System — vier Mischungen, jede mit einer eigenen Aufgabe, jede an ihrem Platz. Die Science Friction 3.0 unter der Sohle für Grip und Standzeit. Die Science Friction R2 am Rand für Elastizität und Passform. Die Xtreme Friction am Toe Patch und an den Knuckle Bumps des Remora Pro für Kontakt und Dämpfung. Die Perma dort, wo Langlebigkeit an erster Stelle steht. Zusammengehalten von einer kompressionsgeformten Konstruktion, die Delamination gar nicht erst zulässt.
Das ergibt Schuhe, die haften UND halten. Für dich heißt das: mehr Grip, mehr Sessions pro Paar, weniger Neuanschaffungen im Jahr. Um dein Modell zu finden, stöbere in unserer Kletterschuh-Kollektion. Und wenn dein Mad Rock nach einer Saison durchgeht, holen wir ihn bei der Neubesohlung mit den Original-Gummis zurück auf Anfang.