Mad Rock Remora Pro HV im Test: unser Erfahrungsbericht
Der Mad Rock Remora Pro HV ist der Kletterschuh, den Mickaël Mawem — Mitgründer von shopclimbing und Boulder-Weltmeister — im Training am häufigsten anzieht. Kein Wettkampfschuh, keine Projektwaffe. Der Schuh, den er beim vierten Boulder in Folge noch am Fuß hat — ohne zwischen zwei Zügen an seine Zehen zu denken. Weichste Zwischensohle der Mad-Rock-Familie, direkte Rückmeldung vom Tritt, Komfort für die lange Session. Kein Nischenschuh, sondern ein Trainingswerkzeug für alle, die mehrmals pro Woche in der Halle stehen.
In diesem Test gehen wir die Konstruktion durch, das Verhalten in der Boulderhalle und am Frankenjura-Kalk, die Größenwahl beim HV-Leisten. Dazu Mickaëls Feedback aus erster Hand. Die komplette Auswahl findest du in unserer Kletterschuh-Kollektion, alle Details zum Modell auf der Produktseite des Mad Rock Remora Pro HV.

Ein Schuh für jeden Trainingstag
Mad Rock hat die HV-Familie klar aufgestellt. Drei Modelle, drei Charaktere, alle auf demselben Klettergummi. Der Drone 2.0 HV ist der Kraftschuh — steif, aggressiv, für harte Boulder im Steilen. Der D2.ONE HV ist der Allrounder — Hybrid-Zwischensohle aus Polyester und Polycarbonat, ein Schuh für alles drinnen wie draußen. Und der Remora Pro HV? Der geht in die dritte Richtung: maximale Weichheit, maximale Sensibilität, maximaler Komfort für die lange Session.
Kurzform: der Remora Pro HV ist der Trainingsschuh der Familie. Der Schuh, den du an jedem Trainingstag anziehst — wenn du drei- bis fünfmal pro Woche in der Boulderhalle stehst und ein Modell brauchst, das die Session wegsteckt, ohne dir die Füße zu ruinieren. Modernes Bouldern lebt vom Wechsel: Volume, Leiste, Kompression, Toe Hook, Sloper. Der Remora Pro HV geht mit. Genau darum wurde er so gebaut.
Klar — wer zu 90 % im Steilen klettert, greift zum Drone 2.0 HV. Wer den einen Schuh für alles sucht, landet beim D2.ONE HV. Der Remora Pro HV dagegen ist für den Kletteralltag gemacht. Für die Boulderwelt München am Dienstagabend, für die Berliner Boulderhalle am Samstagvormittag. Denn der Schuh, den du am häufigsten trägst, muss nicht der aggressivste sein. Er muss der sein, den du nach zwei Stunden noch am Fuß hast.
Die Scallop-Zwischensohle — Weichheit als Bauart-Entscheidung
Was den Remora Pro HV von seinen Geschwistern trennt, ist die Zwischensohle. Konkret: die Scallop-Zwischensohle, 1,8 mm reiner komprimierter Polyester — ohne Polycarbonat-Platte. Die weichste der drei Mad-Rock-Zwischensohlen. Die Signatur des Remora Pro. Der Drone 2.0 HV läuft auf einer durchgehenden Polycarbonat-Platte. Der D2.ONE HV setzt auf eine Hybrid-Zwischensohle aus komprimiertem Polyester und Polycarbonat. Und beim Remora Pro HV? Reiner Polyester, keine steife Platte, direkte Sensibilität. Eine ganz andere Philosophie.
In der Praxis fühlt sich das anders an als alles Steife am Fuß. Du stellst deinen großen Zeh auf einen Volume-Aufsetzer, du drückst — der Schuh gibt Rückmeldung. Du spürst die Struktur des Tritts unter dem Fuß. Auf Mikroleisten läuft das über Kontakt, nicht über Kraftübertragung. Der Fuß umschließt den Tritt, statt ihn zu blockieren. Du liest den Fels mit den Zehen.
Mad Rock bringt den Ansatz knapp auf den Punkt: « Built to feel everything » (« gebaut, um alles zu spüren »). Und weiter: « Soft enough to trust smears and micro edges without hesitation » (« weich genug, um Smears und Mikroleisten blind zu vertrauen »). Und genau so kletterst du damit. Auf einer Reibungspassage im Frankenjura, auf einem harten Aufsetzer in der Halle, auf einer Slab-Sequenz in der Sächsischen Schweiz — der Schuh liest den Fels mit. Wer eine solide Fußtechnik mitbringt, klettert damit anders.
Konstruktion für das moderne Bouldern
Die Weichheit ist die Signatur. Aber sie ist nicht die ganze Geschichte. Denn Mad Rock hat rund um die Scallop-Zwischensohle eine Konstruktion gebaut, die genau auf das moderne Bouldern zugeschnitten ist — mit seinen Spateln, Volumen, Toe Hooks und Kompressionen.
Herzstück ist die Compression Molded Toe Box. Statt einzelne Gummiteile am Vorderfuß aufzukleben, formt Mad Rock den kompletten Vorfuß unter Druck in einem Stück. Was das bringt? Kein Delaminieren mehr — das Ablösen des Gummis, die klassische Schwachstelle bei geklebten Schuhen, fällt weg. Die Kraft geht direkt in den Sohlengummi, ohne Klebeschicht dazwischen.
Das Tension Wrap ist der Verschluss. Zwei Klettverschluss-Punkte — und trotzdem geht kein Gummi am Spann verloren. Der untere Riemen sitzt direkt in den oberen Gummi eingenäht. Du bekommst den Halt eines Zwei-Riemen-Systems und gleichzeitig die volle Grifffläche eines rundum gummierten Schuhs. Drückst du im Volume mit dem Spann, oder ziehst du eine Kompression über einen Spatel — der Sohlengummi arbeitet oben mit. Auf modernen Schraubereien in der Berliner Boulderhalle oder in der Boulderwelt München spürst du das ab dem ersten Boulder.
Innen im Vorfuß sitzen die Knuckle Bumps — eine ziehharmonikaartige Struktur aus Xtreme Friction über den Zehenknöcheln. Sie lösen ein typisches Problem aggressiver Schuhe: den Druck auf die Zehenknöchel bei engem Sitz. Die Zehen stehen aggressiv, die Druckpunkte werden gedämpft. Der Comfort Disk — eine EVA-Schaumschicht unter dem Toe-Hook-Gummi — federt harte Toe Hooks zusätzlich ab. Denn auf modernen Bouldern hookst du dir den Zehenrücken sonst schnell wund.
Am Fersen-Cup sorgt der Heel Lock — eingenähter EVA-Schaum — dafür, dass die Ferse sitzt und beim Heel Hook nicht wegrutscht. Darüber sitzt die 3D Hooking Heel Rim, eine patentangemeldete Weiterentwicklung der 3D Hooking Heel. Flachere Form, mehr Auflagefläche, ein Power-Rim, der die Ferse fast wie eine Leiste arbeiten lässt. Für einen weichen Schuh hookt die Ferse erstaunlich präzise. Weich vorne, kontrolliert hinten.
Und unter der Sohle sitzt die Concave Sole — eine patentierte, nach innen gewölbte Außensohle. Im Überhang greifst du den Tritt fast wie mit der Hand. Der Syn-Flex-Schaft ist synthetisch, dehnt sich kaum, ist vegan.
Science Friction 3.0, Xtreme Friction und Science Friction R2 — drei Gummis, drei Aufgaben
Der Remora Pro HV läuft auf drei verschiedenen Klettergummis. Nicht zufällig, sondern weil jede Zone am Schuh eine andere Aufgabe hat.
Unter der Sohle liegt die Science Friction 3.0, Mad Rocks Signaturmischung aus Kalifornien. Griffiger, härter, cleverer als ihre Vorgänger — mit besserer Reißfestigkeit und einem Formgedächtnis im Gummi. Genug Grip für kleine Tritte, in der Halle wie am Fels. Und vor allem: eine Abriebfestigkeit, die den Moment deutlich hinausschiebt, an dem die Zehenspitze durchbricht. Wer mehrmals pro Woche trainiert, merkt den Unterschied über die Saison im Geldbeutel.
Am Toe Patch — der Toe-Hook-Zone — ergänzt Mad Rock die Science Friction 3.0 mit Xtreme Friction, ihrem weichsten Klettergummi. Bewusste Entscheidung. Denn ein Toe Hook lebt vom Kontakt, nicht von der Härte. Je weicher der Gummi, desto besser klebt er am Volume, am Spatel, an der Kante von oben. Auf modernen Bouldern mit vielen Toe-Hook-Zügen macht das den Unterschied.
Am Fersen-Rand kommt der Science Friction R2 zum Einsatz — ein elastischerer Klettergummi. Denn ein Fersen-Rand aus hartem Sohlengummi würde die Ferse steif einpacken und dir den Heel Hook nehmen. Der R2 lässt sie arbeiten wie einen Handschuh. Denselben R2 findest du am Fußgewölbe wieder: das Arch Flex System fixiert den Fuß, ohne Druckstellen aufzubauen.
Der Remora Pro HV am Fels und in der Halle
Der Remora Pro HV ist ein Trainingsschuh. Aber das heißt nicht, dass er nur in der Halle funktioniert. Was am Fels und in der Boulderhalle wirklich passiert, gehört ins Bild.
Beim Bouldern in der Halle spielt der Remora Pro HV seine Stärken voll aus. Dafür wurde er gebaut. Moderne Schraubereien in der Boulderwelt München oder in der Berliner Boulderhalle — Volume, Aufsetzer, Kompression, Platte, Toe Hook. Die weiche Bauweise geht mit der Bewegung mit. Das Tension Wrap gibt dir Grifffläche auf dem Spann. Der Comfort Disk hält Toe Hooks aus. Und die Scallop-Zwischensohle sagt dir jederzeit, wo dein Fuß steht. Nach zwei Stunden Session hängst du noch einen Versuch dran. Darum geht's.
In der Route — Halle wie Fels — bleibt der Remora Pro HV auf moderaten Längen angenehm. Die Weichheit ist ein Vorteil auf Volume-Sessions und Plattenpassagen. Auf langen, steilen Routen mit vielen Mikroleisten kommst du an die Grenzen der weichen Bauweise — dafür ist der D2.ONE HV oder der Drone 2.0 HV die passende Wahl.
Am Fels hängt es vom Untergrund ab. Auf Kalk im Frankenjura oder auf Kalymnos klebt der Remora Pro — technische Sport-Route mit Reibungspassagen und Plattenzügen, genau sein Terrain. Du liest den Tritt mit den Zehen. Auf Sandstein im Elbsandsteingebirge arbeitet die Weichheit für dich. Auf einem Font-Trip auf Sandstein-Blöcken gibst du dem Schuh, was er braucht: Reibung, Kontakt, Gefühl. Und in den Bayerischen Alpen auf technischen Sport-Linien im Kalk hält er ebenfalls mit.

Ein Wort zur Standzeit am Fels. Der Remora Pro ist der weichste der drei HV-Modelle — und weichen Gummi schmirgelt der Fels schneller ab als eine harte Mischung. Für Redpoint-Projekte mit zehn Versuchen pro Session greifst du besser zum D2.ONE HV oder Drone 2.0 HV. Für eine gelegentliche Session am Fels, für einen entspannten Tag im Frankenjura, für die technische Route in Kalymnos — der Remora Pro macht das mit. Nur eben nicht der Schuh für den harten Perf-Run.
Größe und Passform beim Remora Pro HV
Der Remora Pro HV sitzt auf einem HV-Leisten — High Volume. Also mehr Platz am Spann, mehr Volumen am Vorfuß, größere Ferse. Wenn du dich auf europäischen Modellen wie La Sportiva Solution oder Scarpa Instinct oft eingeengt fühlst, ist HV die passende Antwort.
Beim ersten Anziehen ist der Remora Pro HV deutlich verzeihender als der Drone 2.0 HV. Die weiche Bauweise gibt an den richtigen Stellen nach. Der Syn-Flex-Schaft dehnt sich kaum. Vergiss also die alte Faustregel „eine halbe Nummer kleiner, das weitet sich schon". Beim Remora Pro HV bleibt der Schuh im Wesentlichen so, wie du ihn aus dem Karton nimmst.
Als Orientierung misst du deinen Fuß flach — Ferse an der Wand, Spitze des großen Zehs — und richtest dich nach Mad Rocks vier Stufen:
- Comfort: gemessene Größe + 1 — entspannt, für lange Sessions oder Einstieg
- Snug: gemessene Größe + 0,5 — solider Halt, entspannter Fuß
- Performance: gemessene Größe — die Referenz für Leistung
- Downsized: gemessene Größe − 0,5 bis − 1 — nur, wenn du hohes Downsizing gewohnt bist
Für den Remora Pro als Trainingsschuh landen die meisten in Snug oder Performance. Downsized ist bei diesem Modell eher selten die Antwort — die Weichheit gibt dir Sensibilität, nicht die aggressive Vorspannung, die ein Downsizing rechtfertigen würde.
Eine praktische Ausnahme: Mad Rock produziert dieses Modell nicht mehr regulär in US M 3 und US M 3.5. Wer sehr kleine Füße hat, kann sich direkt an support@madrockclimbing.com wenden.
Was Mickaël Mawem am Remora Pro HV mag
Mickaël Mawem — Mitgründer von shopclimbing und Boulder-Weltmeister — nutzt den Remora Pro HV als seinen Alltagsschuh im Training. Im Wettkampf wechselt er zum D2.ONE HV, im Steilen greift er zum Drone 2.0. Aber für das tägliche Training in der Halle ist der Remora Pro sein erster Griff. Sein Feedback aus erster Hand:
« Der Remora Pro, das ist mein Schuh für jeden Tag. Ganz einfach: Wenn ich zum Trainieren in die Halle gehe, ist er einer der Schuhe, die ich am häufigsten anziehe. Er ist sehr leistungsfähig, aber vor allem ist er angenehm. Und das ändert alles, wenn du jeden Tag kletterst. »
« Was ich mag: Du kannst stundenlang drin klettern, ohne dass die Füße wehtun. Im Wettkampf wechsle ich zum D2.ONE, weil ich da mehr Steifigkeit und Vielseitigkeit brauche. Aber im Training, wo ich Volumen mache und viele verschiedene Bewegungen ausprobiere, gibt mir der Remora Pro genau das Gefühl, das ich brauche. Du spürst den Tritt, du spürst das Volumen, du spürst genau, wohin du den Fuß setzt. »
« Und die Konstruktion mit dem Tension Wrap ist ein echtes Plus. Auf modernen Bouldern mit Spateln überall ist es Gold wert, wenn der Gummi auch den Spann abdeckt — das gibt dir Optionen, die du mit einem klassischen Schuh nicht hast. Den Remora Pro empfehl ich jedem, der 'nen Schuh sucht, den er bei jeder Session anziehen kann, ohne Kompromisse. »
Remora Pro HV vs. D2.ONE HV vs. Drone 2.0 HV — welcher Mad Rock passt zu dir?
Die drei HV-Modelle teilen dieselbe Science-Friction-3.0-Sohle und denselben HV-Leisten. Sie beantworten aber unterschiedliche Fragen.
Der Remora Pro HV ist der weiche, sensible Trainingsschuh. Scallop-Zwischensohle aus reinem Polyester, maximale Rückmeldung vom Tritt, volle Komfortausstattung. Für alle, die drei bis fünf Mal pro Woche in der Halle stehen und einen Schuh brauchen, der die Session ohne Fußschmerzen wegsteckt.
Der D2.ONE HV ist der Allrounder. Die Hybrid-Zwischensohle aus Polyester und Polycarbonat kombiniert Steifigkeit und Sensibilität in einer Plattform. Ein Schuh für die ganze Session, drinnen wie draußen. Mickaëls Wettkampfschuh. Alle Details im Test des D2.ONE HV.
Der Drone 2.0 HV ist der Kraftschuh. Durchgehende Polycarbonat-Platte in der Zwischensohle, aggressives Profil, gebaut für Überhang und harte Boulder im Steilen. Mehr dazu im Test des Drone 2.0 HV.
Für wen lohnt sich der Remora Pro HV?
Der Mad Rock Remora Pro HV ist ein bewusst gebauter Trainingsschuh. Weichheit, Sensibilität, Komfort — drei Eigenschaften, die zusammen ein Werkzeug für den Kletteralltag ergeben. Die Scallop-Zwischensohle liest den Tritt für dich, statt ihn zu blockieren. Compression Molded Toe Box und Science Friction 3.0 halten Session für Session. Tension Wrap, Comfort Disk, Heel Lock und Knuckle Bumps sorgen dafür, dass du zwei Stunden am Stück kletterst, ohne dass deine Zehen protestieren. Und er kann mehr als nur Halle — er trägt dich auch durch die technische Route im Frankenjura-Kalk.
Für wen ist das die richtige Wahl? Für ambitionierte Kletterer mit breiteren Füßen, die drei- bis fünfmal pro Woche klettern — in der Boulderwelt München, in der Berliner Boulderhalle. Für alle, die Fußtechnik als Kern des Sports sehen und den Tritt wirklich spüren wollen. Wer eher auf reine Kraft im Steilen setzt oder den echten Ein-Schuh-Allrounder sucht, greift zum Drone 2.0 HV oder zum D2.ONE HV.
Und wenn dein Remora Pro HV nach einer Saison Training an der Zehenspitze doch mal durchgeht, findest du bei shopclimbing die Neubesohlung von Kletterschuhen mit den originalen Mad-Rock-Gummis. Der Schuh bekommt ein zweites Leben. Alle Modelle findest du in unserer Kletterschuh-Kollektion. Und wenn du dich noch orientierst, hilft dir der Guide zu allen Mad Rock Kletterschuhen beim finalen Vergleich.